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16 Prozent der Deutschen glauben laut einer Umfrage nicht an den menschengemachten Klimawandel. Dem mangelnden Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft sollten Klimaforscher Werte und Emotionen entgegensetzen, schlagen die Autoren der Studie vor.

Wer Klimaskeptiker sucht, muss nicht erst in die USA fahren: 16 Prozent der Deutschen sind nicht von der Existenz des von Menschen verursachten Klimawandels überzeugt, hat eine Studie unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität Cardiff herausgefunden. Damit ist der Anteil der sogenannten Klimaleugner in Deutschland deutlich höher als in den Vergleichsländern Großbritannien (zwölf Prozent), Frankreich (sechs) und Norwegen (vier Prozent).

BildDass Hochwasser – wie hier 2016 in der Heidelberger Innenstadt – die wichtigste Folge des Klimawandels in ihrem Land sein wird, glauben 31 Prozent der Deutschen. (Foto: Radosław Drożdżewski/​Wikimedia Commons)

"Das ist ein alarmierendes Zeichen", sagt Ortwin Renn, Projektleiter der Studie beim Forschungszentrum Zirius der Universität Stuttgart, bei der Vorstellungder Ergebnisse am gestrigen Mittwoch in Berlin. Dass der Anteil der Klimaskeptiker in Deutschland so hoch ist, habe ihn überrascht. "Ob es früher mehr oder weniger Klimaskeptiker gab, können wir nicht sagen", so Renn. Zumindest sei es früher nicht opportun gewesen, das öffentlich zu sagen. "Die Skeptiker sind zwar in der Minderheit, aber eine Minderheit, die Populisten in die Hände fällt, ist relevant."

Damit spielt er beispielsweise auf die AfD an: Im Grundsatzprogramm der Partei heißt es, dass die Klimaschutzpolitik auf "untauglichen" Computermodellen des UN-Klimarats IPCC beruhe. Die Partei will keine Klimaschutzpolitik mehr betreiben, die sie als Irrweg bezeichnet.

Wissenschaft verliert Vertrauen

Bei der Befragung durch die Universität Cardiff, den deutschen Projektpartner Zirius, das französische Insitut Symlog und die norwegische Universität Bergen äußerten sich im vergangenen Juli jeweils rund 1.000 repräsentativ ausgewählte Bürger in den vier Ländern zu Klimawandel und Energiepolitik.

Eine mögliche Ursache für die vielen Klimaskeptiker in Deutschland: fehlende Informationen. Drei von vier Deutschen halten laut den Ergebnissen den Klimawandel in der Forschung für umstritten. Nur 24 Prozent gaben an, dass die überwiegende Mehrheit der Forscher dem zustimmt. Tatsächlich sind es sogar 97 Prozent der Wissenschaftler. Zudem nimmt laut Renn das Vertrauen in die Wissenschaft immer mehr ab. Das Vertrauen in Wissenschaftler sei immer noch groß, aber Wissen habe nicht mehr die integrierende Funktion, die es einmal hatte.

"Wissenschaft braucht mehr Emotionen"

Außerdem halten die Deutschen den Klimawandel nicht für sonderlich relevant. Nur für wenige der Befragten ist der Klimawandel das wichtigste Problem für ihr Land in den nächsten 20 Jahren. In Deutschland nannten das Thema nur drei Prozent – der Klimawandel landete auf Platz zehn der drängendsten Probleme, in Norwegen kam er immerhin auf Platz vier. "Der Klimawandel ist kein Thema, das den Leuten unter den Nägeln brennt", sagt Renn. Für viele Menschen sei die Klimadebatte weit von ihrem eigenen Leben entfernt.

Um das zu ändern, schlägt er vor, in der öffentlichen Diskussion stärker auf Emotionen und Werte zu setzen: "In Deutschland ist die Debatte um den Klimawandel stark von der Wissenschaft geprägt. Auf dieser Bühne ist naturgemäß wenig Platz für Werte und Emotionen."

BildWas bedeutet der Klimawandel für mich? Wissenschaftliche Ergebnisse sind für viele zu abstrakt. (Foto:Geralt/​Pixabay)

Auch Carel Mohn, Leiter des Portals klimafakten.de, hält das für sinnvoll: "Klimaforscher sollen öfter erzählen, warum sie Klimaforscher geworden sind. Damit können auch Menschen, die nicht aus der Wissenschaft kommen, etwas anfangen." Vielleicht wird der Klimawandel aber auch selbst Überzeugungsarbeit leisten: In allen vier Ländern gaben um die 60 Prozent der Befragten an, dass der Klimawandel für sie bereits Realität sei.

 

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