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Das Kernkraftwerk Fessenheim wird geschlossen, verspricht Frankreichs Präsident Hollande seit Jahren. Doch er nimmt weiter große Rücksicht auf die Atomlobby - trotz schwerer Mängel beim Reaktorbau.

Atommeiler Fessenheim in Frankreich

Atommeiler Fessenheim in Frankreich

"Das Atomkraftwerk Fessenheim wird geschlossen": Die Ansage von François Hollande war eins seiner vollmundigen Wahlversprechen im Jahr 2012. Bei dem Reaktor an der Grenze zu Deutschland und der Schweiz handele es sich um "das älteste AKW, das sich zudem in einem Erdbebengebiet befindet", unterstrich der Kandidat damals bei einer TV-Debatte mit seinem Kontrahenten Nicolas Sarkozy.

Einmal gewählt, wiederholte der Präsident im September 2012 sein Versprechen: "Ende 2016 wird Fessenheim dicht gemacht." Drei Jahre später kam der Präsident ins Wanken. Im September 2015, zwei Monate vor der Weltklimakonferenz, sagte er: Nein, die Schließung komme nicht mehr im Lauf des Jahres, aber, ja, die Entscheidung sei unumkehrbar.

Am Donnerstagabend machte nun der Verwaltungsrat von Betreiber EDF, in dem der Staat trotz Aktienmehrheit von 85 Prozent nur über sechs von 18 Stimmen verfügt, grundsätzlich den Weg frei für einen Entzug der Betriebserlaubnis. Weil EDF den eigentlichen Antrag aber erst später stellen wollte, kündigte Energieministerin Ségolène Royal am Freitag zudem ein Dekret an, dass die Schließung noch vor der Präsidentschaftswahl im Mai besiegeln soll.

Kurz vor Ende von Hollandes Amtszeit wird sein Versprechen aus dem Wahlkampf also endlich bestätigt: Fessenheim soll schließen. Aber nur im Prinzip.

Tatsächlich erscheint die Vereinbarung eher als Rückzug auf Raten vor der Macht der Atomlobby - nach vier Jahrzehnten Protest und Widerstand. Schließlich hatte sich Hollande zuvor in Sachen Fessenheim als nuklearer Wendehals geoutet: "Eine Schließung lässt sich nicht improvisieren", sagte er plötzlich im April 2016. "Das muss nach einem präzisen Zeitplan ablaufen, unter Berücksichtigung von Personal, der Region und der Klimaziele. Und in Abstimmung mit EDF - zumal über die Entschädigungen."

Rücksicht nimmt die jetzige Übereinkunft vor allem auf die Interessen einer Industrie, die eng mit der Entwicklung der fünften französischen Republik verknüpft ist: Frankreichs 58 Atomreaktoren produzieren fast 80 Prozent der Elektrizität, die Meiler galten jahrzehntelang als Symbole von Fortschritt und Modernität.

Proteste vor dem EDF-Hauptsitz in Paris 

Proteste vor dem EDF-Hauptsitz in Paris

Folglich schützt der Kompromiss das finanziell angeschlagene Stromunternehmen EDF: Denn der Beschluss garantiert den Betrieb des Alt-AKWs noch so lange, bis in Flamanville an der normannischen Küste der Leistungsreaktor EPR fertiggestellt ist.

Das Planziel für die Schließung von Fessenheim ist nun 2018. Tatsächlich dürfte der Reaktor aber noch über Jahre am Netz bleiben.

Denn wann der EPR hochgefahren wird, ist völlig ungewiss. Der "Reaktor der dritten Generation", einst angekündigt als "Glanzstück französischer Ingenieurskunst", leidet nicht nur unter Pannen, Unfällen und Bauverzögerungen von mehr als sieben Jahren; auch die Kosten haben sich auf mehr als zehn Milliarden Euro verdreifacht.

Jetzt droht obendrein ein Konstruktions-GAU: Detaillierte Dokumente, veröffentlicht vom Radiosender France-Info, belegen, dass Behälter und Deckel des Reaktors nicht den Normen entsprechen. Sie wurden verbaut, obwohl Frankreichs Behörde für Nuklearsicherheit (ASN) schon ab 2005 EDF und seinen Fabrikanten Areva auf schwerwiegende Fabrikationsmängel hingewiesen hatte.

"Ihr Zulieferer hat große Probleme"

Bei der Herstellung der Teile in der Traditionsschmiede Creusot-Forge, so berichteten die ASN-Inspektoren seinerzeit, gab es "verschiedenste Diskrepanzen". Ein Besuch des damaligen ASN-Chefs bei dem Zulieferer bestätigte den Verdacht minderer Qualität: "Die Fabrik ist nicht auf Niveau", stellte André-Claude Lacoste fest und riet Areva: "Ihr Zulieferer hat große Probleme. Tauschen Sie ihn aus oder kaufen Sie ihn."

Areva übernahm tatsächlich Creusot-Forge. Doch trotz eines nachfolgenden, siebenjährigen Briefwechsels zwischen EDF/Areva und der Sicherheitsbehörde, begannen die nötigen Nachbesserungen erst ab 2012. Zu diesem Zeitpunkt hatte Fessenheim bereits einen Dampfgenerator erhalten, der nicht den Vorschriften entspricht. Und der Reaktorbehälter für Flamanville wurde zwischen 2006 und 2007 fertiggestellt.

Tests, die erst neun Monate später stattfanden, entlarvten einen Skandal: Behälter und Deckel zeigten Anomalien bei der chemischen Zusammensetzung des Stahls. Die Abweichungen der Karbonwerte waren gravierend: "Das Material entspricht nicht der erwarteten Zusammensetzung", sagte Thierry Charles vom Institut für Strahlenschutz und Nuklearsicherheit (ISRN). "Man muss daher einen Bruch befürchten, wenn es den Druckverhältnissen und Temperaturen im Reaktor ausgesetzt wird."

Die ASN-Kontrolleure waren entsetzt. Auf Drängen der Sicherheitsbehörde wurde die gesamte Produktion von Creusot unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse vom April 2016 sind beängstigend: Über Jahre wurden Bauteile an die Nuklearindustrie geliefert, die nicht den Normen entsprachen, bisweilen wurden die Fabrikationsunterlagen gefälscht, um den Kunden zu täuschen.

Auch Inspekteure, die im Rahmen des Projekts Hinkley Point für die britischen Atomsicherheitsbehörde (ONR) die Produktion von Creusot untersuchten, kamen nach ihrer Visite im Dezember 2016 zu einem vernichtenden Urteil: "Die nukleare Sicherheitskultur entsprach nicht unseren Forderungen an einen Zulieferer." Zudem seien angekündigten Veränderungen nicht ausreichend, um "anhaltende Verbesserungen bei der Herstellung" herbeizuführen.

Vier Millionen Seiten sollen geprüft werden

Areva reagierte auf die Enthüllungen mit dem Versprechen, die gesamten Produktionsunterlagen von Creusot zu durchforsten, seit den Anfängen der Nuklearindustrie. Eine gigantische Aufgabe, insgesamt vier Millionen Seiten - allerdings nur unter eigener Kontrolle. "Wie sollte man Areva in dieser Frage vertrauen?", fragt Cyrille Cormier, Nuklearexperte bei Greenpeace. "Man muss befürchten, dass diese Prüfung nur wenig zu Tage fördern wird."

Die Skepsis erscheint berechtigt. Sollte die Behörde für Atomsicherheit im September den Druckbehälter in Flamanville nicht genehmigen, wäre das ein Desaster für Frankreichs Atomindustrie. Denn zur Disposition stünden womöglich auch EPR-Projekte in Olkiluoto (Finnland) und Taishan (China). Wirtschaftlich bedrohlicher noch: Auch der 21 Milliarden Euro Abschluss für den Bau eines EPR im britischen Hinkley Point wäre gefährdet.

Der Beschluss zur Schließung von Fessenheim erscheint daher als Zugeständnis an EDF. "Das ist Betrug", sagt André Hatz vom Verein "Stoppt Fessenheim", der gegen den Beschluss Klage erheben will. "Wenn die Atomsicherheitsbehörde ASN auch nur die geringste Glaubwürdigkeit wiederherstellen will, kann sie den Start des EPR nicht erlauben."

Weil das EPR-Projekt in der Normandie aber unbedingt ein Erfolg sein muss, glaubt Hatz, wird das Alt-AKW im Elsass noch so lange weiter produzieren wie irgend möglich. "Wird Fessenheim also nie dicht machen?", fragt sich Hatz. "EDF tut alles, um auf Zeit zu spielen."

 

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