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Der norwegische Staatsfonds ist der größte der Welt. Nun will er 31 Milliarden Euro aus Öl- und Gasaktien abziehen – die Branche rechne sich nicht mehr.

Eine Öl-Förderplattform in Norwegen 

Norwegen hat Milliarden mit Öl verdient und das in einen Fonds gesteckt, der jetzt aus dem Öl aussteigt: Förderplattform in Norwegen Foto: reuters

Der norwegische „Ölfonds“, mit einem Wert von 856 Milliarden Euro der größte Staatsfonds der Welt, wird sich wahrscheinlich von seinen Ölaktien trennen. Die Empfehlung der norwegischen Zentralbank, die den Fonds verwaltet, sorgte an den Börsen für Aufruhr: Schon eine Minute nach Veröffentlichung der Pressemitteilung der „Norges Bank“ am Donnerstagnachmittag sank der Energie-Index „Stoxx 600“ deutlich. Die Ölanalytikerin Tina Saltvedt von der „Nordea“-Bank nannte den Schritt ein „überraschendes, ein starkes Signal“.

Formal geht es derzeit nur um eine Empfehlung der Zentralbank an die Regierung. Letztendlich entscheiden wird darüber das norwegische Parlament, das allerdings in der Vergangenheit solchen Empfehlungen gefolgt ist. Alles andere als eine Zustimmung wäre deshalb eine Überraschung. Darauf ließen auch die ersten Reaktionen der Parteien schließen: Linke und grüne Parteien reagierten ebenso wie die Sozialdemokraten positiv und auch der finanzpolitische Sprecher der regierenden konservativen „Høyre“ betonte die Wichtigkeit „langsichtiger, voraussehbarer Investitionsentscheidungen“.

Der norwegische Staatsfonds wurde mit den Geld aufgebaut, das Norwegen mit dem Verkauf seiner Öl- und Gasreserven verdient hat. Der Fonds legt kein Geld in Atomwaffenfirmen an oder in Firmen, die gegen Menschenrechte verstoßen. 2015 stieg der Fonds außerdem aus Kohle-Aktien aus. Die Einnahmen werden für künftige Generationen angespart, allerdings dürfen Regierungen jährlich bis zu 3 Prozent für den Staatshaushalt entnehmen.

Dem Vizechef der Zentralbank, Egil Matsen, zufolge geht es aber nicht um klimapolitische Ziele. Die Empfehlung, aus Öl und Gas auszusteigen, beruhe „ausschließlich auf finanziellen Argumenten und Analysen“. Unter allen Sektoren des Pensionsfonds habe die Öl- und Gasbranche in den vergangenen sechs Jahren die geringsten Erträge gebracht. Eine künftige Wertsteigerung sei wegen des stark schwankenden Ölpreises nicht zu erwarten. Und weil die norwegische Wirtschaft sowieso stark auf Öl- und Gas beruhe und über den staatlichen Ölkonzern „Statoil“ eine zusätzliche Abhängigkeit bestehe, stelle dies ein hohes Risiko für den Staatshaushalt dar.

„Vernünftig“, findet auch der Öl-Branchenverband

Selbst der Direktor des Öl- und Gas-Branchenverbands „Norsk olje og gass“, Karl Eirik Schjøtt-Pedersen, bezeichnete die Empfehlung als „vernünftig“. Man könne sich nämlich zu Recht fragen, „ob Norwegen einen zu großen Teil seines Vermögens in dieser Branche gesammelt habe“. Verkaufe der Fonds nun Ölaktien ausländischer Unternehmen, sei das jedenfalls besser, als die norwegische Öl- und Gasförderung zu drosseln, was ja auch vorgeschlagen worden sei.

Sony Kapoor, Finanzexperte und Berater des UN-Umweltprogramms UNEP spricht gegenüber Aftenposten von „einem späten Sieg der Vernunft“. Er selbst habe dem Fonds schon 2013 ein „raus aus Öl und Gas“ und ein Umleiten dieser Gelder in grüne Investitionen vorgeschlagen und er begrüße, wenn die Fondsverwalter „endlich ein wenig Rückgrat“ gegenüber der Öllobby zeigten. Hätte sich der Fonds schon 2012 von allen Fossilaktien getrennt, wäre dessen Vermögen nun deutlich höher, als es tatsächlich ist, rechnet auch die Finanzpublikation E24 vor. Stößt der Fonds alle Öl- und Gasaktien ab, würden knapp 6 Prozent, rund 31 Milliarden Euro, seines Portfolios davon betroffen sein.

Truls Gulowsen, Vorsitzender von Greenpeace-Norwegen spricht von einem „klugen, aber gleichzeitig halbherzigen Schritt“. Wolle Norwegen tatsächlich etwas gegen sein „Karbon-Risiko“ tun, müsse das Land aufhören, Milliarden in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder in der Arktis zu verschwenden. Was dort unter dem Boden liege sei, nicht nur unprofitabel zu fördern, es dürfe auch nicht mehr verbrannt werden, solle der Klimawandel nicht ganz außer Kontrolle geraten.

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