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Höhepunkt des Klimacamps im Rheinland: Mit fast 50 Aktionen protestiert die Klimabewegung gegen die klimaschädliche Braunkohleverstromung. Die Polizei gibt sich zwar seit Wochen dialogbereit – bei den heutigen Einsätzen sprechen die Aktivisten dennoch von "Schlägen und Tritten", während die Beamten ihre Arbeit als "gewaltfrei" einstufen. Bisher gab es 23 Verhaftungen.

Auf der sonst so wuseligen Wiese des Klimacamps in Erkelenz ist heute Mittag wenig los. Die Sonne brennt auf das Gras. Von der Hauptwiese haben sich in den letzten acht Tagen des Camps Trampelpfade gebildet: zu den Kompostklos, zur Zeltwiese und zum Kaffeetisch. Im "Pressezelt" findet eine Besprechung statt.

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Heute im Tagebau Garzweiler: Eine Gruppe blockiert einen Kohlebagger. (Foto: Klimacamp im Rheinland/Flickr)

Das Presseteam, das für das Camp nach außen spricht, verschafft sich einen Überblick über all die kleinen Aktionen, die gerade zeitgleich um den Braunkohletagebau Garzweiler des Energiekonzerns RWE stattfinden. "Es ist schwieriger, die Informationen von vielen Kleingruppen zu sammeln, als eine große Massenaktion im Auge zu behalten", sagt Judith Zimmermann. Die 28-Jährige macht dieses Jahr Pressearbeit für das Klimacamp.

47 Aktionen sind momentan auf der Online-Karte "Climate Action Map"verzeichnet. "Heute morgen haben sich zwei Demozüge in Richtung der Aussichtspunkte in Bewegung gesetzt. Mittlerweile wird am Aussichtspunkt 'Skywalk' eine Zufahrtsstraße der RWE von etwa 70 Leuten blockiert", erzählt Zimmermann. "Dann ist heute morgen eine Sambaband bis auf die unterste Ebene des Tagebaugebiets vorgedrungen", außerdem habe es eine Blockade eines Förderbandes gegeben. Judith Zimmermann kommt aus dem Aufzählen gar nicht mehr raus.

Das Klimacamp trägt dieses Jahr das Motto "Skills for System Change". Einige tragen T-Shirts mit dem Aufdruck "Kohleausstieg ist Handarbeit", die im Infozelt gegen Spende erhältlich sind. François Schneider ist extra aus Frankreich angereist. Für ihn steht fest: "Kohle und Uran sollten unter der Erde bleiben. Wir brauchen ein komplett anderes Energiesystem."

Theoretische und praktische Workshops zum Systemwandel gab es in der viertägigen Degrowth-Sommerschule, die über das vergangene Wochenende schon zum zweiten Mal auf einem Klimacamp stattfand. 400 vor allem junge Menschen haben daran teilgenommen.

Aktionsrahmen für friedlichen Protest

Seit Mittwoch läuft das "Aktionslabor", in dem kreative Aktionsformen gegen den Braunkohleabbau entwickelt und erprobt werden. Die Aktionen werden von kleinen Bezugsgruppen selbst geplant und durchgeführt. Das Organisationsteam des Klimacamps bietet die Infrastruktur für die Vor- und Nachbereitung. Außerdem hat die Gruppe einen "Aktionsrahmen" verfasst, in dem sie Empfehlungen für die Aktionen gibt. "Uns ist es wichtig, dass keine Menschen und andere Lebewesen gefährdet oder verletzt werden", heißt es darin. Auch über potenzielle Gefahrenquellen rund um den Tagebaubetrieb werden die etwa 500 am Labor Teilnehmenden informiert.

Schon am Donnerstag fanden zahlreiche kreative Aktionen unter dem Motto "Infrastruktur markieren" statt. Gegen die fortlaufende Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlagen haben sich zehn Aktivisten nackt vor der Abbruchkante von Garzweiler ablichten lassen, mit aufgemalten Buchstaben auf dem Bauch: "Nature is vulnerable", Natur ist verletzlich.

"Eine weitere lustige Aktion vom Donnerstag war 'Grünkohl statt Braunkohle'", erzählt Zimmermann. Eine Kleingruppe habe im Umkreis des Tagebaus Sonnenblumen angepflanzt und weitere Beete vorbereitet. "Sie wollten zeigen, dass man auf der Erde, die hier ausgebeutet wird, auch etwas Positives wachsen lassen kann."

Positives aufzeigen, Hoffnung machen – diese Absicht zieht sich durch die meisten Aktionen, die gerade in und um Garzweiler aus dem Boden sprießen. Sie steht auch hinter der Besetzung eines Kindergartens, die am Donnerstag morgen begann und bis jetzt anhält. Der Kindergarten liegt in Immerath, einem Dorf, das seit 2006 umgesiedelt wird. Nächstes Jahr schon soll auf dem Gebietdes Dorfes die Braunkohleförderung beginnen. "Wir wollten ein Gebäude wiederbeleben, das eine öffentliche Funktion hatte", sagt Joachim Hesse, 25, der bei der Besetzung mit von der Partie war.

23 Verhaftungen am Samstag

Durch den Hintergang sind etwa 30 Aktivistinnen und Aktivisten in den Kindergarten eingestiegen und haben ihn als Schule neu eröffnet und ein Bildungsangebot geschaffen. Workshops, die eigentlich auf dem Klimacamp stattfinden sollten, wurden in die Schule verlegt. "Man konnte hier etwas über den Kohleprotest in Südafrika lernen, das Beehive Collective hat von seiner Arbeit berichtet. Es gab rechtliche Beratung und vieles mehr", erzählt Hesse.

Die wenigen im Dorf verbliebenen Anwohner hätten interessiert vorbeigeschaut: "Es kamen zehnjährige Jungs auf ihrem Mountainbike vorbei und rannten durch das Gebäude." Auch eine Party wurde gefeiert. Die Polizei hat zunächst keine Räumung angekündigt. In den nächsten Stunden werden die Besetzer entscheiden, wie lange sie die neue Schule noch aufrechterhalten.

Nach und nach treffen Nachrichten von den einzelnen Aktionsteams ein. Schon am späten Vormittag hat die Polizei 21 Menschen verhaftet, als sie in den Tagebau Garzweiler eindrangen – einer von ihnen ein Fotograf, ausgestattet mit einem Presseausweis. Gewalt sei nicht im Spiel gewesen, weder vonseiten der Aktivisten noch der Beamten, heißt es bei der Polizei. Vom Camp aus lässt sich das jetzt nicht überprüfen, zu den Verhafteten kann nicht sofort Kontakt aufgenommen werden.

Die Polizei ist stark präsent, zeitweise sind 1.000 Einsatzkräfte vor Ort. Mittlerweile prallt die Nachmittagssonne aufs Camp, als sich herumspricht: Die Straßenblockade gegen Kohle wurde geräumt. Laut Polizei verlief der Einsatz erneut "gewaltfrei". Aktive, die vor Ort waren, berichten jedoch von "Tritten und Schlägen". Für eine verletzte Person habe sogar ein Krankenwagen gerufen werden müssen. Zwei Verhaftungen soll es gegeben haben. Bei der Polizei wird es später heißen, eine der beiden Personen habe Uniformierte mit Lebensmitteln beworfen, die zweite habe sie bei der Feststellung der Personalien befreien wollen.

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Die Polizei ist bei den Aktionen des Klimacamps am Samstag ständig präsent. (Foto: Klimacamp im Rheinland/Flickr)

Die Polizei hat in diesem Jahr eine neue Strategie. Aachens Poliziepräsident Dirk Weinspach setzt auf "Deeskalation und intensive Gespräche mit allen Seiten". Extra angefertigte Flyer mit dem Titel "Protest ja – Gewalt nein!" wurden zu Beginn des Camps an die Teilnehmenden verteilt. Da heißt es zum Beispiel: "Distanzieren Sie sich von Straf- und Gewalttaten".

Tristan Jacobs glaubt, dass die Polizei die Flyer verbreitet hat, um die Bewegung zu spalten. "Es gibt unter uns verschiedene Meinungen über geeignete Aktionsformen", erklärt der 25-Jährige. "Aber wir lassen uns nicht spalten – wir gehen geeint gegen RWE vor."

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