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Tokio, Münster – Der US-Atomkonzern Westinghouse steht offenbar kurz vor der Insolvenz. Die japanische Mutter Toshiba gerät wegen ausufernder Kosten zweier Atom-Neubauten zunehmend unter Druck.

Der japanische Technologieriese Toshiba hat 2006 die Atom-Sparte des traditionsreichen US-amerikanischen Elektronikkonzerns Westinghouse von British Nuclear Fuels übernommen. Nachdem Toshiba bereits Summen in Milliardenhöhe auf Westinghouse abschreiben musste, kommt es nun offenbar zur Insolvenz. Die Japaner wollen damit die Verluste begrenzen.

Vorstand entscheidet über Insolvenzantrag
Der US-Atomkonzern Westinghouse Electric Co LLC könnte kurz davor stehen, die Zahlungsunfähigkeit nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts anzumelden. Das berichtet die südkoreanische Börsenzeitung Nikkei. Demnach soll es noch am heutigen Montag (27. März 2017) ein Treffen mit Versorgungsunternehmen und weiteren Anteileignern geben, bevor der Vorstand am frühen Dienstagmorgen über den Insolvenzantrag entscheidet.

Abschreibungen in Milliardenhöhe
Toshiba musste im Februar 2017 bereits 722 Mrd. Yen (rd. 6 Mrd. Euro) auf seine US-Atomsparte abschreiben und gerät dadurch inzwischen selbst in Schieflage. Mit dem für Freitag (31. März 2017) erwarteten Insolvenzantrag könnten die Kosten für Toshiba bis auf eine Billion Yen (8,3 Mrd. Euro) ansteigen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Gleichzeitig würde die Insolvenz aber das Risiko weiterer Verluste begrenzen. Der Kaufpreis für Westinghouse soll 2006 Medienberichten zufolge bei etwa 5 Mrd. US-Dollar gelegen haben.

Probleme beim Bau von US-Atomkraftwerken
Der angeschlagene Konstrukteur von Atomkraftwerken war insbesondere durch Kostenexplosionen in zwei Atom-Neubauten in den USA in Schieflage geraten, die der Konzern 2013 begonnen hatte. So liegen die beiden neuen Reaktoren Vogtle 3 und 4 im US-Bundesstaat Georgia inzwischen fast vier Jahre hinter dem Zeitplan. Mit einer Inbetriebnahmen wird aktuell Ende 2019 bzw. Anfang 2020 gerechnet, ursprünglich war 2016 bzw. 2017 angepeilt worden. Erst vor kurzem musste die Regulierungsbehörde Georgia Public Service Commission weitere zwei Milliarden US-Dollar für den Bau der beiden neuen Reaktoren genehmigen. Auch bei den Neubauten Virgil C, Summer 2 und 3 in South Carolina gibt es deutliche Verzögerungen. Mit einer Fertigstellung wird auch hier erst zum Ende des Jahrzehntes gerechnet.

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