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Stuttgart/Remscheid – Die Brennstoffzelle galt lange Zeit als vielversprechende Technologie für die Energieversorgung der Zukunft. Eine Wasserstoffwirtschaft könnte auch regenerative Energien speicherbar und vielseitig einsetzbar machen. Dieser Traum bekommt nun einen doppelten Dämpfer.

Der US-Autor Jeremy Rifkin beschreibt in seinem Buch „Die H2-Revolution“ aus dem Jahr 2002 eine Wasserstoff- Revolution, die das Öl-Zeitalter ablösen wird. Wasserstoff kommt dabei dezentral zum Einsatz und wird mittels Brennstoffzellen zur Stromerzeugung und im Bereich der Mobilität genutzt. Viele Jahre haben auch deutsche Unternehmen an diese Idee geglaubt. Doch nun schrauben zwei namhafte Player ihr Engagement im Brennstoffzellenbereich runter, aus unterschiedlichen Gründen.

Daimler konzentriert sich auf Batterie statt Brennstoffzelle
Eine klare Einordnung zu den Prioritäten im Bereich alternativer Antriebe ist vom Automobil-Riesen Daimler zu vernehmen. Vorstandchef Dieter Zetsche hat sich dazu auf einem Kongress in Stuttgart geäußert. Man wolle sich auf die batteriebetriebene Elektromobilität konzentrieren statt auf die Brennstoffzellen-Technologie, so der Konzernchef laut Medienberichten. Zwar werde Mercedes ein neuen Brennstoffzellen-Auto in begrenzter Stückzahl auf den Markt bringen und auch gegenüber IWR Online betonte ein Konzernsprecher, dass Daimler sich nicht komplett aus der Brennstoffzellen-Technologie zurückziehen werde. Man befinde sich am Anfang einer neuen Ära, so der Sprecher. Daher sei man gut beraten, sich alle Technologieoptionen offen zu halten. Doch die Rangfolge der Bedeutung dieser beiden Alternativen scheint klar zugunsten der Batterietechnologie verteilt zu sein. Zetsche erklärte auch warum: Batteriespeicher werden derzeit immer günstiger, während der für die Brennstoffzelle benötigte Wasserstoff weiterhin teuer bleibe. Die Vorteile der Brennstoffzelle wie insbesondere die größere Reichweite sowie kürzere Tankzeiten schrumpft immer weiter zusammen. 

Vaillant legt Brennstoffzellen auf Eis
Bereits Mitte März 2017 berichtete zudem der deutsche Heiztechnik-Konzern Vaillant aus Remscheid, dass man die „Entwicklungskapazitäten im Bereich der Brennstoffzellentechnologie reduzieren und die Markteinführung ihres Brennstoffzellenheizgerätes für Einfamilienhäuser bis auf weiteres aussetzen“ werde. Dabei hatte Vaillant schon früh diese Technologie für sich entdeckt und forciert. Offenbar ist das Unternehmen mit mehr als 12.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 2,4 Mrd. Euro (2015) nun mit seiner Geduld am Ende. 

Zur Begründung für den Rückzug aus der Brennstoffzellen-Technologie erklärt Vaillant, dass Immobilienbesitzer derzeit ein solches Brennstoffzellenheizgerät nicht wirtschaftlich betreiben könnten. „Sollten sich die Bedingungen grundlegend ändern und die Nachfrage nach Brennstoffzellenheizgeräten erheblich ansteigen, wird die Vaillant Group entsprechend reagieren“, heißt es beim Heiztechnik-Hersteller aus Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2013 hatte Vaillant die fünfte Generation seines Brennstoffzellen-Heizgerätes vorgestellt. In einer von Feldtests hatte der Hersteller sich immer wieder um eine erfolgreiche Markeinführung bemüht, scheinbar ohne den gewünschten Erfolg. 

Wie reagiert die Konkurrenz?
Noch sind genügend Akteure im Markt, die Brennstoffzellen-Technologie im Bereich der Strom, Wärme oder im Mobilitätssektor verfolgen. So beackert der Volkswagenkonzern das Thema insbesondere bei Audi in Ingolstadt. Brennstoffzellen-Heizgeräte haben z.B. auch die Marktplayer wie Buderus oder Viessmann im Programm. Ob die strategische Entscheidung bei Vaillant und die aktuelle Einordnung der Brennstoffzellen-Technologie bei Daimler richtungsweisend sein werden oder sich möglicherweise als Fehleinschätzung entpuppen, bleibt abzuwarten.

 

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